Geschichte

Logo_kibri_mitHintergrundSeit mehreren Wochen bereiten wir uns schon auf dieses Jubiläum vor. Wir, die Viessmann Modelltechnik GmbH, sind selbst noch ein relativ junges Unternehmen und erst seit gut 10 Jahren für die Marke kibri verantwortlich. Daher ist es für uns nicht einfach zu begreifen und zu verinnerlichen, was es überhaupt bedeutet, wenn eine Firma bzw. eine Marke ein solches Jubiläum feiern darf. 

Bei der Recherche für diesen Bericht sind wir auf unzählige Belege aus der Schaffenszeit der Firma kibri gestoßen und doch ist es nur ein kleiner Bruchteil von dem, was diese Firma in 125 Jahren hervorgebracht hat. Beeindruckend sind sowohl die Vielfalt im Produktsortiment, als auch die Anzahl der Produkte über 125 Jahre, die vielen Mitarbeiter, die von der ersten Stunde bis zum heutigen Tag vollen Einsatz gezeigt haben, damit überhaupt ein 125-jähriges Jubiläum zustande kommt.

 

Wir reden hier von einer großartigen Leistung über einen beachtlich langen Zeitraum, die man kaum in Worte fassen kann. 

Zwei Weltkriege, große und kleine politische Krisen, wirtschaftliche Schwächephasen, Herausforderungen durch Generationswechsel, unterschiedliche Interessen von Eigentümern, wechselnde Marktgegebenheiten, neue Produktionstechnologien - all diesen Umständen zum Trotz konnte diese Marke sich bis heute behaupten. 

Wie war das möglich? Sicher kein Glück, sondern die harte Arbeit von vielen motivierten Menschen über viele Generationen. Das gemeinsame Interesse, den Kunden ‚Die Besonderen‘ zu bieten - die Modelle von kibri. Was einst im Kleinen im baden-württembergischen Böblingen begann und sich länger als ein Jahrhundert am gleichen Ort behauptete, ist heute bei Viessmann in guten Händen. 

Wir als Hersteller, der Fachhandel und auch Sie, liebe Modellbahner, profitieren heute von dem, was in der Vergangenheit geleistet wurde und wir sind uns dessen bewusst. 

 

1895 bis 1945 In den Anfangszeiten viel Blech und Holz

Im Jahre 1895 in Böblingen unter dem damaligen Namen Kindler und Briel von Wilhelm Kindler sen. (1864–1916) und Adolf Briel gegründet, stellte das Unternehmen anfangs nur Metallspielzeug her. Artikel aus anderen Materialien stammten in der Regel von Zulieferern. Produziert wurden zahlreiche Spielwaren, vornehmlich aus Blech, u. a. für Puppenstuben und Kaufmannsläden sowie Zubehör für Modelleisenbahnen. Der erste Standort des Unternehmens befand sich bis zum Großbrand 1973 in der Böblinger Karlstraße 19.

Nach dem Tod des Gründers Wilhelm Kindler sen. im Jahre 1916 übernahm sein Sohn Wilhelm Kindler jun. (1888–1941) die Geschäftsführung. Nach dem Tod von Wilhelm Kindler jun. ging die Geschäftsführung wiederum an dessen Sohn, Paul Kindler sowie dessen Schwager Rudolf Gußmann über. 

Bei Sammlern alter Modelleisenbahnen besonders geschätzt, sind die zwar relativ einfach aus Blech konstruierten, aber durch geschickte Formen- und Farbwahl sehr wirkungsvollen Bahnhöfe, Stellwerke, Bahnübergänge und anderes Zubehör für die Modellbahnen der Spuren 1, 0 und 00 der Jahre 1930 bis 1940 und 1949 bis 1955. Neben den Blecherzeugnissen gab es auch ein Brücken- und Rampen-Bausystem aus Holz sowie kleine Tunnel mit bemalten Holzportalen und einer Papphülle, auf der mit einem Gips-Leim-Gemisch der Berg gestaltet wurde. kibri lieferte die Blechgebäude und Holztunnel vor dem Krieg mit kleinen Abweichungen, insbesondere in der Farbgebung, auch für das Trix Express-Sortiment. In den Kriegsjahren wurden Bahnhöfe für die großen Spuren gefertigt, bei denen aufgrund der Materialengpässe Blechteile durch Holz ersetzt werden mussten.

461px-Kaufladen_Kibri_1960

Von Photo: Andreas Praefcke - Selbst fotografiert, CC BY 3.0, Link

Kaufmannsladen um 1960


Nachkriegszeit Kunststoff hält Einzug in die Spielwarenwelt

Nach dem zweiten Weltkrieg produzierte kibri bereits ab 1948/49 weiter. Es existieren Gebäude, die offensichtlich kurz nach dem Krieg aus Dosenblech produziert wurden und die charakteristische Dosendeckelprägung aufweisen. Die Nachkriegsgebäude waren zunächst mit dem Stempel „kibri – made in US-Zone Germany“ markiert. Ab ca. 1952 wurde der Stempel „kibri – made in West Germany“ verwendet. Es ist auffällig, dass viele alte Gebäude aus dieser Zeit heute über Online-Auktionen in den USA gefunden werden. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die hier stationierten amerikanischen Soldaten kibri-Produkte gekauft und bei der Heimkehr in die USA mitgenommen haben. In den Jahren 1954, 1955 und 1956 gab es kibri Kataloge in englischer Sprache, teilweise sogar mit Preisangaben in US-Dollar. In den Jahren 1950 bis 1953 lieferte kibri neu konstruierte Blechgebäude für das Spur-0-Sortiment der Firma Fleischmann.

Ab Mitte der 1950er Jahre wurde die Metallbearbeitung langsam durch die Kunststoff-Spritzgusstechnik ersetzt. Wie bei den anderen Herstellern kam dabei Polystyrol zum Einsatz. kibri wurde neben Faller und Vollmer zu einem der bedeutendsten Hersteller von Modellbahnzubehör. 

Eines der bekanntesten Kunststoffmodelle der Firma kibri war ab 1959 das Tanklager – aus kibri-Teilen zusammengesetzt. Das komplette Tanklager bestand aus fünf einzelnen Bausätzen, die bis 1972 auch als Fertigmodelle angeboten wurden. Im Laufe der Zeit kamen zahlreiche weitere Modelle, meist nach konkreten Vorbildern in Deutschland, aber auch anderen Ländern in den Spurweiten H0, N und Z auf den Markt.

Im Oktober 1973 stoppte ein Brandanschlag auf die Böblinger Fabrik die Produktion; doch 1975 wurde in Böblingen-Hulb ein Neubau errichtet. Da in Schopfloch bei Freudenstadt ein Zweigwerk vorhanden war, konnte die Produktion aufrechterhalten werden. Das kibri-Firmenarchiv wurde bei dem vorgenannten Brandanschlag zerstört. Daher ist man heute auf alte Kataloge und Sammlungen angewiesen, um die Geschichte der Firma kibri nachzuzeichnen. Zum 100-jährigen Jubiläum im Jahre 1995 hat kibri eine Festschrift herausgegeben, die einen Überblick vermittelt. Außerdem hat kibri einen Nachdruck des Kataloges 1937 fertigen lassen, in dem das gesamte damalige Sortiment abgebildet ist.

Anders als die meisten Wettbewerber, bot kibri, neben Gebäuden und Landschaftsbau-Elementen, auch ein umfangreiches Sortiment an Bausatz-Modellen für Straßen- und Schienenfahrzeuge wie LKW, Baumaschinen, Kräne, Gleisbaufahrzeuge und weitere Nutzfahrzeuge für die Spurweiten H0, N und Z an. Im Jahr 1976 erschienen erstmals Baumaschinen-Modelle im Maßstab 1:87, die unter dem Slogan „kibri hat die Besonderen“ jahrelang beworben wurden. Für Aufsehen sorgte kibri Ende der 1980er bzw. Anfang der 1990er Jahre mit seinen Großkran-Modellen. Ab 1990 gab es u. a. ein Modell des Gottwald AMK 1000, welcher seinerzeit der leistungsstärkste Autokran der Welt war. (Quelle : https://de.wikipedia.org/wiki/Kibri

 

Was verbindet Viessmann mit kibri ?

Nachdem Wieland Viessmann sein Unternehmen Viessmann Modellspielwaren 1988 gegründet hatte, streckte er bereits vier Jahre später erstmals seine Fühler nach kibri aus. Herr Gußmann, langjähriger Geschäftsführer von kibri, suchte einen potenziellen Nachfolger für das Unternehmen. 

 

Wieland Viessmann erinnert sich: 

Unser Handelsvertreter Wolfgang Ruks hatte auch kibri seit vielen Jahren in seiner Vertretung und kannte Herrn Gußmann und das kibri Team sehr gut. Wolfgang kam eines Tages zu mir und sagte „Wieland, der Herr Gußmann sucht einen Käufer für sein Unternehmen. Der Mann ist schon 88 Jahre alt und seine Tochter hat kein Interesse.“ Nach intensiven Verhandlungen mit Herrn Gußmann, dessen Buchhalter Herrn Metzger und den Banken fehlte uns zum Schluss noch eine geringe Summe an Geld, die Herr Gußmann aber nicht nachlassen wollte. So kam es, dass Herr Gußmann Mitte der 90er Jahre starb, ohne die Zukunft von kibri geregelt zu haben. 

Gute 17 Jahre später sollte es dann endlich soweit sein. Im Sommer 2009 wurden erneut Verhandlungsgespräche geführt. Diesmal mit dem neuen Eigentümer Franz Josef Roos aus Wuppertal. An der Seite von Wieland Viessmann saß nun auch sein Sohn Matthias nach frisch abgeschlossenem Studium mit am Verhandlungstisch. Und die Gespräche fruchteten. Nach einigen Verhandlungsrunden konnten sich beide Parteien im Herbst 2009 auf einen Asset Deal einigen. 

 

Wieland Viessmann erinnert sich:

Da Herr Roos an vergangene Erfolge von kibri nicht anknüpfen konnte, kam das Unternehmen in eine schwierige Wirtschaftslage. Die Zahl der Mitarbeiter nahm ständig ab. 

Nachdem verschiedene Interessenten nur die Filetstücke von kibri kaufen wollten, machten wir ein Angebot, alle Teile der Firma – außer der Immobilie – zu übernehmen, um das Unternehmen fortzuführen und die Marke kibri zu erhalten. Zu diesem Zeitpunkt hatten schon fast alle Mitarbeiter das Unternehmen verlassen oder waren gekündigt. Es ist immer sehr traurig und belastend, wenn man den Standort einer so traditionsreichen Firma auflösen muss und die Geschichten von den verbliebenen Mitarbeitern hört, hinter denen sich viele persönliche Schicksale verbergen. 

Der größte Schatz – auch heute noch – sind die über 6 000 Spritzgussformen, die im Laufe der letzten Jahrzehnte bei kibri entstanden sind. Allein diesen Schatz zu heben, bedurfte es 17 schwer beladener Sattelzüge. Weitere 15 LKW waren notwendig, um Maschinen und sonstige Betriebseinrichtungen abzutransportieren. 

Um die Produktion der teilweise sehr anspruchsvollen kibri Modelle in gewohnter Qualität fortzuführen, wurden einige Mitarbeiter von kibri an den neuen Standort der Firma Viessmann in Ungarn übernommen. 

 

Für die Firma Viessmann war der große Formenschatz von kibri von enormer strategischer Bedeutung. Endlich konnte die filigrane Technik und die dazugehörigen Mikroelektroniken Einzug halten in die damals statischen kibri Modelle. Eine perfekte Symbiose der Produkte beider Firmen entstand. Also gutes Beispiel hierfür steht das Windrad von kibri, welches nun mit der Technik von Viessmann angetrieben werden konnte. 

Damit verfolgten wir einen Trend, der durch das Miniatur Wunderland in Hamburg initiiert wurde und heute von den Modellanlagen nicht mehr wegzudenken ist. Immer mehr Produkte konnten mit moderner Mikroantriebstechnik bewegt, Häuser beleuchtet und Fahrzeuge mit Sound ausgestattet werden. 

Zu der Zeit zeigte sich, welchen Weg kibri unter dem Dach von Viessmann einschlagen würde. Innerhalb der letzten 125 Jahre hat kibri schon so manche Spielzeugsegmente bedient. Neben Puppenküchen, Kaufläden mit Lebensmitteln aus Tragant und Raketenautos stand natürlich die Modellbahn im Vordergrund. Dass sich die Bedürfnisse der Kunden in 125 Jahren ändern ist verständlich, und, dass sich ein Unternehmen mit seinen Produkten daran anpassen muss, ebenfalls. 

RailMotion_Logo_ViessmannDie Modellbahn lebt. Alles was sich bewegt, Geräusche erzeugt, blinkt oder leuchtet, zieht uns magisch an. Railmotion – unter diesem Schlagwort entwickelte Viessmann die Technik, um die Schienenfahrzeuge von kibri in Bewegung zu setzen. Mit dem Stopfexpress wurde der Anfang gemacht. Die während der Langsamfahrt vor und zurück laufende Stopfeinheit versetzt die Modellbahner reihenweise in Staunen. Danach wurde der Gleiskraftwagen Robel in Angriff genommen. Diesmal mit einem digital steuerbaren Arbeitskran auf der Ladefläche, der sich während des Betriebs, auf einer Kulisse geführt, um die eigene Achse dreht. 

Aktuell im Jahr 2020 reiht sich ein kibri Zweiwege Unimog mit angetriebenem Niederbordwagen in die Liste der Railmotion Produkte ein. 

Dass es kibri in 125 Jahren immer gelungen ist, sich stets der aktuellen Marktsituation anzupassen, spricht für die Marke und die damit verbundenen Produkte. 

Wir von Viessmann dürfen seit 10 Jahren Teil dieser Erfolgsgeschichte sein und fühlen uns verpflichtet, die Geschichte von kibri weiterzuschreiben. Das macht uns stolz und demütig, wissen wir doch, wie viele Menschen über einen so langen Zeitraum daran gearbeitet haben, damit kibri zu dem geworden ist, was es über Jahrzehnte war und heute ist: Der älteste noch existierende Modellbahnzubehörhersteller, mit vielen schönen, spektakulären und geschichtsträchtigen Modellen, die unsere Modellanlagen bis heute und darüber hinaus schmücken werden.

Wir setzen alles daran, den Formenschatz von kibri zu hegen, zu pflegen und auch weiterzuentwickeln. 

Wir bedanken uns bei allen Mitarbeitern, Partnern und ehemaligen Wegbegleitern, die uns dabei unterstützt haben, die kibri Modelle unter dem Dach von Viessmann weiterzuführen.

 

Seit mehreren Wochen bereiten wir uns schon auf dieses Jubiläum vor. Wir, die Viessmann Modelltechnik GmbH, sind selbst noch ein relativ junges Unternehmen und erst seit gut 10 Jahren für die... mehr erfahren »
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Geschichte

Logo_kibri_mitHintergrundSeit mehreren Wochen bereiten wir uns schon auf dieses Jubiläum vor. Wir, die Viessmann Modelltechnik GmbH, sind selbst noch ein relativ junges Unternehmen und erst seit gut 10 Jahren für die Marke kibri verantwortlich. Daher ist es für uns nicht einfach zu begreifen und zu verinnerlichen, was es überhaupt bedeutet, wenn eine Firma bzw. eine Marke ein solches Jubiläum feiern darf. 

Bei der Recherche für diesen Bericht sind wir auf unzählige Belege aus der Schaffenszeit der Firma kibri gestoßen und doch ist es nur ein kleiner Bruchteil von dem, was diese Firma in 125 Jahren hervorgebracht hat. Beeindruckend sind sowohl die Vielfalt im Produktsortiment, als auch die Anzahl der Produkte über 125 Jahre, die vielen Mitarbeiter, die von der ersten Stunde bis zum heutigen Tag vollen Einsatz gezeigt haben, damit überhaupt ein 125-jähriges Jubiläum zustande kommt.

 

Wir reden hier von einer großartigen Leistung über einen beachtlich langen Zeitraum, die man kaum in Worte fassen kann. 

Zwei Weltkriege, große und kleine politische Krisen, wirtschaftliche Schwächephasen, Herausforderungen durch Generationswechsel, unterschiedliche Interessen von Eigentümern, wechselnde Marktgegebenheiten, neue Produktionstechnologien - all diesen Umständen zum Trotz konnte diese Marke sich bis heute behaupten. 

Wie war das möglich? Sicher kein Glück, sondern die harte Arbeit von vielen motivierten Menschen über viele Generationen. Das gemeinsame Interesse, den Kunden ‚Die Besonderen‘ zu bieten - die Modelle von kibri. Was einst im Kleinen im baden-württembergischen Böblingen begann und sich länger als ein Jahrhundert am gleichen Ort behauptete, ist heute bei Viessmann in guten Händen. 

Wir als Hersteller, der Fachhandel und auch Sie, liebe Modellbahner, profitieren heute von dem, was in der Vergangenheit geleistet wurde und wir sind uns dessen bewusst. 

 

1895 bis 1945 In den Anfangszeiten viel Blech und Holz

Im Jahre 1895 in Böblingen unter dem damaligen Namen Kindler und Briel von Wilhelm Kindler sen. (1864–1916) und Adolf Briel gegründet, stellte das Unternehmen anfangs nur Metallspielzeug her. Artikel aus anderen Materialien stammten in der Regel von Zulieferern. Produziert wurden zahlreiche Spielwaren, vornehmlich aus Blech, u. a. für Puppenstuben und Kaufmannsläden sowie Zubehör für Modelleisenbahnen. Der erste Standort des Unternehmens befand sich bis zum Großbrand 1973 in der Böblinger Karlstraße 19.

Nach dem Tod des Gründers Wilhelm Kindler sen. im Jahre 1916 übernahm sein Sohn Wilhelm Kindler jun. (1888–1941) die Geschäftsführung. Nach dem Tod von Wilhelm Kindler jun. ging die Geschäftsführung wiederum an dessen Sohn, Paul Kindler sowie dessen Schwager Rudolf Gußmann über. 

Bei Sammlern alter Modelleisenbahnen besonders geschätzt, sind die zwar relativ einfach aus Blech konstruierten, aber durch geschickte Formen- und Farbwahl sehr wirkungsvollen Bahnhöfe, Stellwerke, Bahnübergänge und anderes Zubehör für die Modellbahnen der Spuren 1, 0 und 00 der Jahre 1930 bis 1940 und 1949 bis 1955. Neben den Blecherzeugnissen gab es auch ein Brücken- und Rampen-Bausystem aus Holz sowie kleine Tunnel mit bemalten Holzportalen und einer Papphülle, auf der mit einem Gips-Leim-Gemisch der Berg gestaltet wurde. kibri lieferte die Blechgebäude und Holztunnel vor dem Krieg mit kleinen Abweichungen, insbesondere in der Farbgebung, auch für das Trix Express-Sortiment. In den Kriegsjahren wurden Bahnhöfe für die großen Spuren gefertigt, bei denen aufgrund der Materialengpässe Blechteile durch Holz ersetzt werden mussten.

461px-Kaufladen_Kibri_1960

Von Photo: Andreas Praefcke - Selbst fotografiert, CC BY 3.0, Link

Kaufmannsladen um 1960


Nachkriegszeit Kunststoff hält Einzug in die Spielwarenwelt

Nach dem zweiten Weltkrieg produzierte kibri bereits ab 1948/49 weiter. Es existieren Gebäude, die offensichtlich kurz nach dem Krieg aus Dosenblech produziert wurden und die charakteristische Dosendeckelprägung aufweisen. Die Nachkriegsgebäude waren zunächst mit dem Stempel „kibri – made in US-Zone Germany“ markiert. Ab ca. 1952 wurde der Stempel „kibri – made in West Germany“ verwendet. Es ist auffällig, dass viele alte Gebäude aus dieser Zeit heute über Online-Auktionen in den USA gefunden werden. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die hier stationierten amerikanischen Soldaten kibri-Produkte gekauft und bei der Heimkehr in die USA mitgenommen haben. In den Jahren 1954, 1955 und 1956 gab es kibri Kataloge in englischer Sprache, teilweise sogar mit Preisangaben in US-Dollar. In den Jahren 1950 bis 1953 lieferte kibri neu konstruierte Blechgebäude für das Spur-0-Sortiment der Firma Fleischmann.

Ab Mitte der 1950er Jahre wurde die Metallbearbeitung langsam durch die Kunststoff-Spritzgusstechnik ersetzt. Wie bei den anderen Herstellern kam dabei Polystyrol zum Einsatz. kibri wurde neben Faller und Vollmer zu einem der bedeutendsten Hersteller von Modellbahnzubehör. 

Eines der bekanntesten Kunststoffmodelle der Firma kibri war ab 1959 das Tanklager – aus kibri-Teilen zusammengesetzt. Das komplette Tanklager bestand aus fünf einzelnen Bausätzen, die bis 1972 auch als Fertigmodelle angeboten wurden. Im Laufe der Zeit kamen zahlreiche weitere Modelle, meist nach konkreten Vorbildern in Deutschland, aber auch anderen Ländern in den Spurweiten H0, N und Z auf den Markt.

Im Oktober 1973 stoppte ein Brandanschlag auf die Böblinger Fabrik die Produktion; doch 1975 wurde in Böblingen-Hulb ein Neubau errichtet. Da in Schopfloch bei Freudenstadt ein Zweigwerk vorhanden war, konnte die Produktion aufrechterhalten werden. Das kibri-Firmenarchiv wurde bei dem vorgenannten Brandanschlag zerstört. Daher ist man heute auf alte Kataloge und Sammlungen angewiesen, um die Geschichte der Firma kibri nachzuzeichnen. Zum 100-jährigen Jubiläum im Jahre 1995 hat kibri eine Festschrift herausgegeben, die einen Überblick vermittelt. Außerdem hat kibri einen Nachdruck des Kataloges 1937 fertigen lassen, in dem das gesamte damalige Sortiment abgebildet ist.

Anders als die meisten Wettbewerber, bot kibri, neben Gebäuden und Landschaftsbau-Elementen, auch ein umfangreiches Sortiment an Bausatz-Modellen für Straßen- und Schienenfahrzeuge wie LKW, Baumaschinen, Kräne, Gleisbaufahrzeuge und weitere Nutzfahrzeuge für die Spurweiten H0, N und Z an. Im Jahr 1976 erschienen erstmals Baumaschinen-Modelle im Maßstab 1:87, die unter dem Slogan „kibri hat die Besonderen“ jahrelang beworben wurden. Für Aufsehen sorgte kibri Ende der 1980er bzw. Anfang der 1990er Jahre mit seinen Großkran-Modellen. Ab 1990 gab es u. a. ein Modell des Gottwald AMK 1000, welcher seinerzeit der leistungsstärkste Autokran der Welt war. (Quelle : https://de.wikipedia.org/wiki/Kibri

 

Was verbindet Viessmann mit kibri ?

Nachdem Wieland Viessmann sein Unternehmen Viessmann Modellspielwaren 1988 gegründet hatte, streckte er bereits vier Jahre später erstmals seine Fühler nach kibri aus. Herr Gußmann, langjähriger Geschäftsführer von kibri, suchte einen potenziellen Nachfolger für das Unternehmen. 

 

Wieland Viessmann erinnert sich: 

Unser Handelsvertreter Wolfgang Ruks hatte auch kibri seit vielen Jahren in seiner Vertretung und kannte Herrn Gußmann und das kibri Team sehr gut. Wolfgang kam eines Tages zu mir und sagte „Wieland, der Herr Gußmann sucht einen Käufer für sein Unternehmen. Der Mann ist schon 88 Jahre alt und seine Tochter hat kein Interesse.“ Nach intensiven Verhandlungen mit Herrn Gußmann, dessen Buchhalter Herrn Metzger und den Banken fehlte uns zum Schluss noch eine geringe Summe an Geld, die Herr Gußmann aber nicht nachlassen wollte. So kam es, dass Herr Gußmann Mitte der 90er Jahre starb, ohne die Zukunft von kibri geregelt zu haben. 

Gute 17 Jahre später sollte es dann endlich soweit sein. Im Sommer 2009 wurden erneut Verhandlungsgespräche geführt. Diesmal mit dem neuen Eigentümer Franz Josef Roos aus Wuppertal. An der Seite von Wieland Viessmann saß nun auch sein Sohn Matthias nach frisch abgeschlossenem Studium mit am Verhandlungstisch. Und die Gespräche fruchteten. Nach einigen Verhandlungsrunden konnten sich beide Parteien im Herbst 2009 auf einen Asset Deal einigen. 

 

Wieland Viessmann erinnert sich:

Da Herr Roos an vergangene Erfolge von kibri nicht anknüpfen konnte, kam das Unternehmen in eine schwierige Wirtschaftslage. Die Zahl der Mitarbeiter nahm ständig ab. 

Nachdem verschiedene Interessenten nur die Filetstücke von kibri kaufen wollten, machten wir ein Angebot, alle Teile der Firma – außer der Immobilie – zu übernehmen, um das Unternehmen fortzuführen und die Marke kibri zu erhalten. Zu diesem Zeitpunkt hatten schon fast alle Mitarbeiter das Unternehmen verlassen oder waren gekündigt. Es ist immer sehr traurig und belastend, wenn man den Standort einer so traditionsreichen Firma auflösen muss und die Geschichten von den verbliebenen Mitarbeitern hört, hinter denen sich viele persönliche Schicksale verbergen. 

Der größte Schatz – auch heute noch – sind die über 6 000 Spritzgussformen, die im Laufe der letzten Jahrzehnte bei kibri entstanden sind. Allein diesen Schatz zu heben, bedurfte es 17 schwer beladener Sattelzüge. Weitere 15 LKW waren notwendig, um Maschinen und sonstige Betriebseinrichtungen abzutransportieren. 

Um die Produktion der teilweise sehr anspruchsvollen kibri Modelle in gewohnter Qualität fortzuführen, wurden einige Mitarbeiter von kibri an den neuen Standort der Firma Viessmann in Ungarn übernommen. 

 

Für die Firma Viessmann war der große Formenschatz von kibri von enormer strategischer Bedeutung. Endlich konnte die filigrane Technik und die dazugehörigen Mikroelektroniken Einzug halten in die damals statischen kibri Modelle. Eine perfekte Symbiose der Produkte beider Firmen entstand. Also gutes Beispiel hierfür steht das Windrad von kibri, welches nun mit der Technik von Viessmann angetrieben werden konnte. 

Damit verfolgten wir einen Trend, der durch das Miniatur Wunderland in Hamburg initiiert wurde und heute von den Modellanlagen nicht mehr wegzudenken ist. Immer mehr Produkte konnten mit moderner Mikroantriebstechnik bewegt, Häuser beleuchtet und Fahrzeuge mit Sound ausgestattet werden. 

Zu der Zeit zeigte sich, welchen Weg kibri unter dem Dach von Viessmann einschlagen würde. Innerhalb der letzten 125 Jahre hat kibri schon so manche Spielzeugsegmente bedient. Neben Puppenküchen, Kaufläden mit Lebensmitteln aus Tragant und Raketenautos stand natürlich die Modellbahn im Vordergrund. Dass sich die Bedürfnisse der Kunden in 125 Jahren ändern ist verständlich, und, dass sich ein Unternehmen mit seinen Produkten daran anpassen muss, ebenfalls. 

RailMotion_Logo_ViessmannDie Modellbahn lebt. Alles was sich bewegt, Geräusche erzeugt, blinkt oder leuchtet, zieht uns magisch an. Railmotion – unter diesem Schlagwort entwickelte Viessmann die Technik, um die Schienenfahrzeuge von kibri in Bewegung zu setzen. Mit dem Stopfexpress wurde der Anfang gemacht. Die während der Langsamfahrt vor und zurück laufende Stopfeinheit versetzt die Modellbahner reihenweise in Staunen. Danach wurde der Gleiskraftwagen Robel in Angriff genommen. Diesmal mit einem digital steuerbaren Arbeitskran auf der Ladefläche, der sich während des Betriebs, auf einer Kulisse geführt, um die eigene Achse dreht. 

Aktuell im Jahr 2020 reiht sich ein kibri Zweiwege Unimog mit angetriebenem Niederbordwagen in die Liste der Railmotion Produkte ein. 

Dass es kibri in 125 Jahren immer gelungen ist, sich stets der aktuellen Marktsituation anzupassen, spricht für die Marke und die damit verbundenen Produkte. 

Wir von Viessmann dürfen seit 10 Jahren Teil dieser Erfolgsgeschichte sein und fühlen uns verpflichtet, die Geschichte von kibri weiterzuschreiben. Das macht uns stolz und demütig, wissen wir doch, wie viele Menschen über einen so langen Zeitraum daran gearbeitet haben, damit kibri zu dem geworden ist, was es über Jahrzehnte war und heute ist: Der älteste noch existierende Modellbahnzubehörhersteller, mit vielen schönen, spektakulären und geschichtsträchtigen Modellen, die unsere Modellanlagen bis heute und darüber hinaus schmücken werden.

Wir setzen alles daran, den Formenschatz von kibri zu hegen, zu pflegen und auch weiterzuentwickeln. 

Wir bedanken uns bei allen Mitarbeitern, Partnern und ehemaligen Wegbegleitern, die uns dabei unterstützt haben, die kibri Modelle unter dem Dach von Viessmann weiterzuführen.

 

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